Haarausfall nach der Geburt

Frau, die unter starkem Haarausfall leidet
Bild: Doucefleur/Shutterstock
F: Ich habe vor 7 Monaten ein Baby bekommen und seitdem fallen mir die Haare büschelweise aus. Ich war schon beim Arzt und habe mein Blut untersuchen lassen. Alle Werte waren völlig unauffällig. Bald bin ich auf eine Hochzeit eingeladen und möchte mir unbedingt die Haare machen lassen. Ist es für mich sicher, sie färben zu lassen? Es ist wirklich nötig und schon über ein Jahr her, dass ich das letzte Mal beim Färben war.
 
A: Haarausfall nach der Geburt (postpartaler Haarausfall) ist etwas ganz Normales. Tatsächlich gehört er im ersten Jahr nach der Entbindung zu den häufigsten Anliegen junger Mütter. Auch wenn es beängstigend sein kann, beim Bürsten, Waschen oder Stylen große Mengen an Haaren zu verlieren: Dieser Haarausfall ist nur vorübergehend und medizinisch als telogenes Effluvium bekannt.
 
Während der Schwangerschaft sorgt ein erhöhter Hormonspiegel – insbesondere das Östrogen – dafür, dass ein viel höherer Anteil deiner Haare länger als sonst in der aktiven Wachstumsphase (Anagenphase) bleibt. Deshalb bemerken viele Frauen, dass sich ihre Haare während der Schwangerschaft dicker und voller anfühlen. Nach der Entbindung fällt der Östrogenspiegel jedoch rasch ab. Das führt dazu, dass all diese zurückgehaltenen Haare fast gleichzeitig in die Ausfallphase (Telogenphase) übergehen.
 
Das Ergebnis: Sehr viele Haare fallen auf einmal aus, was typischerweise zwei bis vier Monate nach der Entbindung beginnt. Dies kann zu einer plötzlichen und spürbaren Ausdünnung führen. Der Haarausfall erreicht meist nach drei bis vier Monaten seinen Höhepunkt und verlangsamt sich in den darauffolgenden Monaten allmählich wieder, sobald sich dein normaler Haarwuchszyklus wieder einpendelt. In den meisten Fällen beginnen die Haare von ganz allein wieder nachzuwachsen, auch wenn es sechs Monate bis zu einem Jahr (oder manchmal etwas länger) dauern kann, bis sie ihre frühere Fülle zurückerlangen.
 
Da dein Arzt durch die Blutuntersuchung andere häufige Ursachen für den Haarausfall (wie etwa Nährstoffmängel oder eine Fehlfunktion der Schilddrüse) bereits ausgeschlossen hat, kannst du dir ganz beruhigt die Haare färben lassen. Chemische Haarfarbe wirkt lediglich auf den Haarschaft oberhalb der Kopfhaut und nicht tief in den Haarfollikeln, wo das eigentliche Wachstum und der Ausfall stattfinden. Das Färben deiner Haare wird den Haarausfall selbst also nicht verschlimmern.
 
Behalte vor deinem Friseurtermin jedoch ein paar wichtige Vorsichtsmaßnahmen im Hinterkopf:
 
• Informiere deine Stylistin / deinen Stylisten: Sag direkt Bescheid, dass du vor sieben Monaten entbunden hast und derzeit unter stärkerem postpartalem Haarausfall leidest. So kann das Team besonders sanft und behutsam mit deinen Haaren umgehen.
 
• Bitte um eine Probesträhne: Hormonelle Veränderungen nach der Geburt können vorübergehend die Textur und Porosität deiner Haare verändern. Das beeinflusst unter Umständen, wie schnell oder intensiv sie chemische Farbe aufnehmen. Eine Probesträhne stellt sicher, dass das Farbergebnis genau so wird wie gewünscht.
 
• Mache einen Haut-Verträglichkeitstest (Patch-Test): Hormonschwankungen und Veränderungen des Immunsystems nach der Geburt können deine Haut empfindlicher machen oder sogar neue Reaktionen auf Produkte auslösen, die du früher problemlos vertragen hast. Ein Hauttest 48 Stunden vor dem Termin schützt dich zuverlässig vor unangenehmen Kopfhautreizungen oder einer Kontaktdermatitis.
 
Diese Antwort dient nur zu Informationszwecken. Für medizinischen Rat oder eine Diagnose wende dich bitte an einen Arzt.
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haarausfall