Lockere Locken

A: Ja, in vielen Fällen wirken Locken durch mehr Länge tatsächlich etwas entspannter; allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Die zusätzliche Länge und das damit verbundene Eigengewicht ziehen dein Lockenbild nach unten, besonders wenn dein Haar dick, drahtig und sehr dicht ist. Deine natürliche Haartextur verändert sich an der Wurzel dadurch allerdings nicht. Die Locken hängen sich lediglich aus, weil die Schwerkraft kontinuierlich an ihnen zieht.
Wie Länge und Schwerkraft dein Lockenbild beeinflussen
Wie stark sich das Haar tatsächlich aushängt, hängt von mehreren Faktoren ab: der Intensität deines natürlichen Lockenmusters, deiner Haardichte, der Haarstruktur und natürlich davon, wie lang du deine Haare wachsen lässt. Sehr stark krauses Haar oder Afro-Texturen hängen sich oft nur minimal aus, während mittlere bis lockere Locken mit zunehmender Länge deutlich gestreckter wirken.Am stärksten merkst du dieses Aushängen meist direkt am Ansatz, da jedes einzelne Haar dort das gesamte Gewicht der restlichen Haarlänge tragen muss. Dadurch zieht sich die Lockung nah an der Kopfhaut oft stärker glatt, während die Spitzen ihre volle Sprungkraft behalten, da hier weniger Gewicht nach unten zieht. Das kann manchmal für einen wunderschönen, fließenden Verlauf sorgen, führt ohne den passenden Haarschnitt aber oft dazu, dass das Deckhaar platt anliegt und die Längen unten dreieckig nach außen stehen.
Man kann sich das sehr gut wie bei einem Geschenkband vorstellen. Nimm drei unterschiedlich lange Bänder und kräusle sie gleichmäßig auf. Wenn sie flach auf dem Tisch liegen, sehen alle Locken von oben bis unten identisch aus. Sobald du sie aber an einem Ende hochhebst, ziehen sich die längeren Bänder durch ihr eigenes Gewicht deutlich in die Länge. Die kürzeren Bänder behalten ihre volle Sprungkraft, weil weniger Gewicht an ihnen zieht. Dein Haar verhält sich exakt genauso.

Dieses Aushängen hat jedoch seine natürlichen Grenzen. Wenn du von Natur aus eine starke Korkenzieherlocke hast, die selbst klatschnass extrem gebündelt bleibt, behält dein Haar auch bei großer Länge seine definierte Struktur. Es wirkt im Gesamteindruck vielleicht etwas softer und gestreckter, wird aber keinesfalls wie von Zauberhand wellig oder gar glatt, nur weil es länger wird.
Hier ist Vorsicht geboten
Sei besonders vorsichtig mit der Effilierschere oder dem Modellieren bei dickem, drahtigem Lockenhaar. Eine Effilierschere schneidet viele einzelne Haare mitten in einer Strähne kurz ab. Bei drahtigen Texturen drücken diese kurzen, nachwachsenden Haare gegen die längeren Strähnen. Das sorgt am Ende für noch mehr unruhiges Volumen und störenden Frizz, anstatt das Haar harmonisch auszudünnen.Anstatt zur klassischen Effilierschere zu greifen, bitte eine erfahrene Lockenspezialistin lieber um gezielte Schneidetechniken wie Slicen, Pointen oder ein spezielles Ausdünnen im trockenen Zustand. Gut platzierte, weiche Stufen nehmen das überschüssige Gewicht gezielt aus den Längen und verhindern die Pyramidenform. So erhalten deine Korkenzieherlocken eine wunderschöne Sprungkraft und Definition, ohne dass unerwünschter Frizz entsteht.
Denk außerdem daran: Je länger dein Haar wird, desto älter sind die Spitzen und desto anfälliger werden sie für Trockenheit und Spliss. Da ausgetrocknetes, geschädigtes Haar stark an Elastizität verliert und die Bündelung schlechter hält, sind eine tiefenwirksame Intensivkur und ein leichtes Leave-in-Produkt unverzichtbar, um deine langen Locken dauerhaft gesund, definiert und glänzend zu halten.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu lockigem Haar