Pubertät und Haar

Junge und Mädchen in der Pubertät
Bild: Dobo Kristian/Shutterstock
F: Wie viele Haarfollikel kommen zu Beginn der Pubertät dazu?
 
A: Keine. Der Mensch wird bereits mit allen Haarfollikeln geboren, die er im Laufe seines Lebens jemals besitzen wird. Das sind insgesamt etwa 5 Millionen am gesamten Körper, wovon rund 100.000 auf die Kopfhaut entfallen. Sämtliche Haarfollikel sind bereits im Uterus um die 22. Schwangerschaftswoche herum vollständig angelegt. Als Erwachsene besitzen wir somit genau dieselbe Anzahl an Haarfollikeln wie am Tag unserer Geburt. Der einzige Unterschied liegt in der jeweiligen Haarqualität, die von diesen Follikeln gebildet wird.
 

Flaumhaar vs. Terminalhaar

Wenn du die Haut eines Babys (oder deine eigene Haut an scheinbar unbehaarten Stellen) einmal ganz genau betrachtest, siehst du winzige, helle und flaumige Härchen. Das ist das sogenannte Vellushaar (auch Flaumhaar genannt), das den Körper bei der Regulierung der Temperatur sowie bei der Verdunstung von Schweiß unterstützt.
 
Das Haar auf der Kopfhaut, die Augenbrauen und die Wimpern sind dagegen deutlich dunkler, länger sowie kräftiger. Diese Haarform nennt man Terminalhaar. Vor dem Eintritt der Pubertät besitzen wir Terminalhaare typischerweise nur in diesen spezifischen Bereichen, während das feinere Vellushaar den restlichen Körper bedeckt.
 

Der Wandel in der Pubertät

Zu Beginn der Pubertät beginnt der Körper mit der verstärkten Ausschüttung von Steroidhormonen; insbesondere von Androgenen wie Testosteron. Dieses Hormon kommt sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen vor, liegt bei Jungen jedoch in einer wesentlich höheren Konzentration vor. Diese Hormone lösen gezielte Veränderungen in den Follikeln bestimmter androgensensitiver Zonen aus. Das betrifft den Intimbereich und die Achselhöhlen bei beiden Geschlechtern sowie das Gesicht, die Brust, den Bauch und den Rücken vor allem bei Jungen.
 
Unter dem Einfluss dieser Androgene durchlaufen die Vellushärchen in den genannten Bereichen einen Prozess, den man in der Fachwelt als Terminalisierung bezeichnet. Die Follikel vergrößern sich schrittweise und beginnen plötzlich damit, deutlich kräftigeres, dunkleres und häufig auch lockigeres Terminalhaar zu produzieren.
 

Haarveränderungen im späteren Leben

Auch im späteren Verlauf des Lebens verändern hormonelle Schwankungen das Verhalten der Follikel kontinuierlich weiter. Mit zunehmendem Alter kann das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) bei Männern dazu führen, dass sich die Kopfhautfollikel schrumpfen und verkümmern (Miniaturisierung), was schließlich zu anlagebedingtem Haarausfall (androgenetischer Alopezie) führt. Bei Frauen wiederum können Schwankungen im Östrogen- und Androgenhaushalt - ganz besonders während der Wechseljahre - zu schütterem, lichtem Kopfhaar oder auch zum verstärkten Wachstum von Terminalhaar im Gesicht führen.
 
Die Pubertät sorgt also keineswegs für die Entstehung neuer Haarfollikel. Sie gibt den bereits vorhandenen Follikeln lediglich das biochemische Signal, von nun an eine andere Haarqualität zu produzieren.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Wachstum