Mädchen mit sehr dünnem Haar

Kleines Mädchen mit dünnem Haar
Bild: Jeka/Shutterstock
F: Meine 7-jährige Tochter hat sehr dünnes Haar, besonders am Oberkopf. Ihre Tante hat dasselbe Problem. Das Haar meiner Tochter ist so licht, dass man die Kopfhaut durchscheinen sieht. Es ist ziemlich lang und geht weit über die Schulterblätter hinaus. Gibt es irgendetwas, das ich tun kann, damit ihr Haar dicker wird oder zumindest dichter wirkt? Ihre beiden Schwestern haben volles Haar. Zwar auch sehr fein, aber eben extrem viele Haare auf dem Kopf.
 
Ich möchte einfach nicht, dass sie ins Teenageralter kommt und ihr Aussehen hasst, wie es leider bei so vielen Mädchen in dem Alter passiert. Sie ernährt sich ausgewogen, aber ich gebe ihr keine Multivitaminpräparate. Meine Friseurin meinte jedoch, dass das helfen könnte. Was meinst du dazu? Gibt es etwas, das man tun kann? Gibt es vielleicht einen Haarschnitt, der ihr Haar fülliger wirken lässt, wenn sie älter wird und sich deshalb Gedanken macht?

 
A: Da auch ihre Tante betroffen ist, spricht vieles dafür, dass die Genetik eine entscheidende Rolle spielt. Manche Menschen erben von Natur aus eine geringere Haardichte oder sehr feines, spärlich wachsendes Haar. Das mag ungerecht wirken, aber genetische Veranlagung kann selbst innerhalb einer Familie zu völlig unterschiedlicher Haarfülle führen.
 

Hol dir eine ärztliche Meinung ein

Bevor du jedoch fest davon ausgehst, dass es reine Genetik ist, solltest du am besten einen Termin in eurer Kinderarztpraxis oder bei einer Fachpraxis für Kinderdermatologie vereinbaren. Das Wichtigste, was medizinisch abgeklärt werden muss, ist die Frage: War ihr Haar schon immer so dünn oder liegt tatsächlich ein aktiver Haarausfall vor, durch den sich die Haardichte verändert hat?
 
Selbst wenn sich ein Kind gesund ernährt, können manchmal unentdeckte, aber gut behandelbare medizinische Ursachen hinter der Ausdünnung stecken. Auslöser können beispielsweise ein niedriger Eisenwert oder eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Auch ein Vitamin-D-Mangel wird mit bestimmten Formen von Haarausfall in Verbindung gebracht, wobei dieser Zusammenhang wissenschaftlich weniger eindeutig ist. Je nach Befund werden Blutwerte wie das große Blutbild, die Eisen- und Ferritinwerte sowie die Schilddrüsenparameter überprüft. Es gibt kein pauschales Blutbild, das für jedes Kind mit lichtem Haar passt. Die Diagnostik wird immer individuell an die Anamnese angepasst.
 
In der Dermatologie können zudem spezielle Erkrankungen im Kindesalter untersucht werden, die das Haarwachstum und die Verankerung in der Kopfhaut beeinträchtigen. Zum Beispiel sorgt das sogenannte Loose-Anagen-Syndrom dafür, dass die Haare sehr leicht und schmerzfrei aus den Follikeln gleiten. Weitere Ursachen können Schäden durch zu stramme Frisuren, Strukturdefekte des Haarschafts selbst, kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) oder Entzündungen der Kopfhaut sein.
 
Es ist wichtig, einen wesentlichen Unterschied zu verstehen: Naturgegeben spärliches Haar ist nicht dasselbe wie aktiver Haarausfall. Wenn das Haar deiner Tochter schon immer eher dünn war, sie nicht übermäßig viele Haare verliert, das Haar nicht abbricht und die lichten Stellen an der Kopfhaut nicht größer werden, hat sie höchstwahrscheinlich einfach von Natur aus eine geringe Haardichte.
 

Multivitamine und Nahrungsergänzungsmittel

Was Multivitaminpräparate angeht: Ich würde sie ihr keinesfalls gezielt geben, bloß um das Haar dicker zu machen. Wenn sie sich ausgewogen ernährt und kein nachgewiesener Nährstoffmangel vorliegt, gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass zusätzliche Vitamine die Haardichte erhöhen. Nahrungsergänzungsmittel sind zudem keineswegs völlig risikofrei, da eine Überdosierung bestimmter Mikronährstoffe zu gesundheitlichen Problemen führen kann.
 
Falls die Ärztin oder der Arzt tatsächlich einen konkreten Vitamin- oder Mineralstoffmangel feststellt, kann das Beheben dieses Defizits dazu beitragen, dass das Haar wieder in sein normales, natürliches Wachstumsmuster zurückfindet. Sieh Nahrungsergänzungsmittel aber eher als Korrektur eines Ernährungsdefizits und nicht als Wundermittel, um neue Haarfollikel wachsen zu lassen.
 

Pubertät

Bedenke bitte, dass sie erst 7 Jahre alt ist und die Pubertät noch einige Jahre entfernt liegt. Die hormonelle Umstellung in den Teenagerjahren wird verändern, wie schnell ihre Kopfhaut nachfettet, wie sich die Haarstruktur anfühlt und auch wie der Haarwachstumszyklus verläuft.
 
Es ist unmöglich vorherzusagen, wie sich ihr Haar entwickeln wird. Bei manchen Kindern wird das Haar im Laufe der Pubertät dichter oder verändert seine Struktur, während bei anderen die Haardichte unverändert bleibt. Verlass dich deshalb lieber nicht darauf, dass die Pubertät das Problem von allein löst. Aber mach dir ebenso wenig Sorgen, dass sie es automatisch verschlimmert.
 

Haarschnitt und Styling

Beim Styling kann ein geschickt gewählter Haarschnitt einen riesigen Unterschied darin machen, wie dicht spärliches Haar wirkt; selbst wenn er natürlich nicht die tatsächliche Anzahl der Haarfollikel erhöht, die auf der Kopfhaut sitzen.
 
Haar, das weit über die Schulterblätter hinausreicht, hängt oft schlaff herunter, weil Länge und Eigengewicht die Strähnen nach unten ziehen. Wenn ihr einen neuen Look ausprobieren möchtet, kann ein kürzerer Schnitt (wie ein kompakter, stufenloser Bob auf Kinnlänge mit stumpfer Kante) dem Haar deutlich mehr Fülle, Standkraft und optische Dichte verleihen. Achte darauf, stärkere Stufungen oder das Ausdünnen mit der Effilierschere zu vermeiden. Solche Schnitttechniken lassen lichte Längen und Spitzen noch dünner aussehen.
 
Sanfte Wellen oder leichte Locken können feinem Haar optisch mehr Fülle und Volumen schenken. Nutze dafür am besten hitzefreie Styling-Methoden, anstatt das Haar regelmäßig mit Lockenstab oder Glätteisen zu belasten. Wenn du Wickler verwendest, achte unbedingt darauf, dass sie locker sitzen und keinen Zug auf die Haarwurzeln ausüben.
 

Was du vermeiden solltest

Ich würde komplett auf chemische Behandlungen verzichten, besonders solange sie noch so jung ist. Dauerwellen oder chemische Umformungen können die Haarstruktur schädigen und die Kopfhaut reizen, was empfindliches oder feines Haar optisch noch dünner wirken lässt. Wenn sie später im Teenageralter mit Friseurbehandlungen experimentieren möchte, kann man das immer noch neu bewerten. Solange das Haar jedoch so fein und dünn ist, hat schonendes Pflegen oberste Priorität.
 
Vermeide Frisuren, die dauerhaft Zug auf die Kopfhaut ausüben. Stramme Pferdeschwänze, feste Duts, straffe Flechtfrisuren oder Extensions können bei häufigem Tragen zu Haarausfall (einer sogenannten Traktionsalopezie) führen.
 
Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken. Für medizinischen Rat oder eine verbindliche Diagnose wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Dünnendes und Feines Haar