Stress und Haarausfall

Frau, die an Haarausfall leidet
Bild: Franz Pfluegl/Shutterstock
F: Hat Stress eigentlich Einfluss auf Haarausfall? Meine Freundin hat kreisrunde, kahle Stellen und macht gerade eine extrem stressige Phase durch. Wie kann sie diesen Haarausfall stoppen? Herkömmliche Shampoos bringen absolut gar nichts!
 
A: Stress kann definitiv ein Auslöser für Haarausfall sein; genau wie eine einseitige Ernährung, der allgemeine Gesundheitszustand, die Genetik oder der Hormonhaushalt. Allerdings führt starker psychischer oder körperlicher Stress typischerweise zu einem vorübergehenden, gleichmäßigen Ausfall der Haare auf dem gesamten Kopf (medizinisch als telogenes Effluvium bezeichnet).
 
Plötzlich auftretender, kreisrunder und fleckiger Haarausfall ist dagegen häufig ein typisches Anzeichen für eine Autoimmunreaktion namens Alopecia areata. Wenn der Haarausfall deiner Freundin bereits so ausgeprägt ist, dass du dir ernsthafte Sorgen machst, sollte sie unbedingt eine dermatologische Praxis aufsuchen, um die genaue Ursache abzuklären.
 
Der medizinische Oberbegriff für jegliche Form von Haarausfall lautet „Alopezie“. Es gibt jedoch viele verschiedene Formen mit völlig unterschiedlichen Ursachen. Nur eine Ärztin oder ein Arzt kann ihr Krankheitsbild fundiert diagnostizieren und eine gezielte Therapie empfehlen. Die von dir beschriebenen fleckigen Ausfallerscheinungen sprechen stark für eine Alopecia areata, aber eine verlässliche Diagnose kann nur medizinisch - etwa durch eine genaue Untersuchung der Kopfhaut mittels Trichoskopie oder durch eine Biopsie - gestellt werden.
 
Wenn ihr Haarausfall eine medizinische Ursache hat, ist es kein Wunder, dass frei verkäufliche Shampoos bislang wirkungslos geblieben sind. Normale Shampoos reinigen lediglich die Kopfhaut und die Haaroberfläche. Sie können weder immunologische Reaktionen im Körper noch innere Entzündungen oder hormonelle Schwankungen bekämpfen. Spezielle medizinische Shampoos können zwar oberflächliche Kopfhautprobleme wie Schuppen oder Juckreiz lindern, aber sie können keinen Haarausfall rückgängig machen, der durch innere organische oder immunologische Faktoren verursacht wird.
 
Falls sie zögert, einen Arzttermin zu vereinbaren, versuche sie darin zu bestärken, dies möglichst zeitnah zu tun. Krankheitsbilder wie Alopecia areata verlaufen oft unvorhersehbar. Manchmal regenerieren sich die Haarfollikel und die Haare wachsen von selbst wieder nach, manchmal verändert sich das Bild monatelang nicht, und in anderen Fällen breiten sich die kahlen Stellen weiter aus.
 
Eine frühzeitige Diagnose bietet die besten Chancen, das Haarwachstum durch gezielte Therapien - wie das Auftragen oder Injizieren von Kortikosteroiden sowie neuere immunmodulierende Behandlungen - wieder anzuregen. Sollte stattdessen eine hormonelle Dysbalance oder ein Nährstoffmangel vorliegen, kann ein rechtzeitiges Eingreifen ebenfalls helfen, den Haarausfall effektiv zu stoppen.
 
Unabhängig davon, was den Haarausfall letztlich auslöst oder wie er behandelt werden muss: Deine Freundin kann das Problem erst gezielt angehen, wenn die medizinische Ursache eindeutig geklärt ist. Sie sollte sich bei der Diagnose keinesfalls auf Aussagen in einem Friseursalon verlassen.
 
Ein professioneller Friseur erkennt auffällige Veränderungen der Kopfhaut zwar sofort, wird aber immer direkt an eine Hautärztin oder einen Hautarzt verweisen. Ein unerfahrener Stylist schlägt womöglich Hausmittel oder spezielle Kopfhaut-Behandlungen vor, die bei dieser Ursache völlig wirkungslos sind. Und das Verzögern einer fachgerechten medizinischen Versorgung kann den späteren Behandlungserfolg unnötig erschweren.
 
Friseure sind darauf geschult, gesundes Haar zu pflegen, zu schneiden und zu stylen sowie Auffälligkeiten an Haar und Kopfhaut zu erkennen. Sie sind jedoch weder dafür ausgebildet, medizinische Diagnosen zu stellen, noch sind sie befugt, medizinische Ratschläge zu erteilen. Der einzig sichere Weg zu klaren Antworten und einer wirksamen Therapie führt über eine fachärztliche Praxis.
 
Diese Antwort dient ausschließlich Informationszwecken. Für medizinischen Rat oder eine Diagnose wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haarausfall