Lockiges Haar und Stufen

Allerdings habe ich von jemandem gehört, dass die Haare nach einem Stufenschnitt nie wieder gut aussahen. Mein Haar ist sehr lockig, deshalb bin ich jetzt unsicher. Sollten Frauen mit Locken Stufen lieber meiden?
A: Ob ein Stufenschnitt bei lockigem Haar gut aussieht, hängt maßgeblich von deiner individuellen Lockenstruktur, der Haardichte, der Gesamtlänge, dem Einsprungverhalten beim Trocknen und der angewendeten Schneidetechnik ab.
Einsprungverhalten und Pyramideneffekt
Viele Frauen mit starker Naturlocke haben Angst vor kürzeren Stufen, weil das Haar dadurch enorm an Volumen gewinnen kann. Wird dem Haar Länge und Gewicht genommen, springen die Locken durch die Entlastung deutlich stärker nach oben. Dieses Phänomen nennt man Einsprung. Bei einer unpassenden Stufentechnik kann das schnell zu einer ungewollten, sehr rundlichen oder kugelförmigen Silhouette führen. Mehr Volumen ist jedoch nicht automatisch schlecht. Das Gesamtergebnis steht und fällt damit, wie der Haarschnitt handwerklich umgesetzt wird.Auf der anderen Seite führt ein kompakter Schnitt auf eine Länge (ein klassischer Stumpfschnitt) bei Locken oft zum gefürchteten Dreiecks- oder Pyramideneffekt. Dieser entsteht, wenn sich in den Spitzen extrem viel Gewicht ansammelt, während der Ansatz und die Partie am Oberkopf flach anliegen. Gezielt gesetzte Stufen verteilen dieses Gewicht neu, nehmen harte Kompaktlinien heraus, rahmen das Gesicht weich ein und geben den einzelnen Locken den nötigen Raum, um voller Sprungkraft schöne Bündel zu bilden.


Schneidetechniken für Locken
Es gibt keine allgemeingültige Regel, dass man bei Locken auf Stufen verzichten oder sich nur auf ganz dezente, lange Stufen beschränken muss. Sehr starke Locken profitieren oft von gut strukturierten Stufen, die eine definierte Silhouette schaffen. Sanfte Wellen oder mittlere Locken benötigen dagegen eher längere, innenliegende Stufen, um Frizz zu vermeiden und das Bündeln der Haare zu unterstützen. Der Erfolg hängt hierbei maßgeblich von der richtigen Herangehensweise ab:• Trockenschnitt vs. Nassschnitt: Da einzelne Locken je nach Wirbel und Struktur unterschiedlich stark einspringen, schneiden viele Lockenspezialisten das Haar bevorzugt im trockenen, natürlichen Zustand. So sieht man direkt beim Schneiden, wie jede einzelne Locke fällt und wo die Stufe später im Alltag sitzt.
• Kein Rasiermesser und keine Effilierschere: Klassische Texturierwerkzeuge wie Rasiermesser, Effilier- oder Modellierscheren fiedern die äußere Schuppenschicht lockiger Haare an den Spitzen aus. Das führt zu starkem Frizz und zerstört die natürliche Bündelung der Locken. Stufen sollten bei lockigem Haar deshalb fast ausschließlich mit einer scharfen, geraden Haarschneideschere erarbeitet werden.
Beratung
Wenn du einen Stufenschnitt ausprobieren möchtest, vereinbare am besten einen Beratungstermin bei einem Stylisten, der auf Locken und Textur spezialisiert ist.Sei beim Termin ganz direkt. Beschreibe deine tägliche Styling-Routine, wie viel Zeit du morgens investieren möchtest und welche Pflege- und Stylingprodukte du nutzt. Inspirationen und Fotos mitzubringen hilft enorm. Achte dabei aber darauf, dass die Bilder Frauen mit einer ähnlichen Lockenstruktur und Haardichte zeigen wie deiner eigenen. Ein kompetenter Friseur wird deine Haarmerkmale genau analysieren und dir erklären, wie die verschiedenen Stufenformen in deinem Haar wirken.
Lockiges Haar ist also absolut kein Grund, auf Stufen zu verzichten. Wenn sie individuell auf dich abgestimmt und so geschnitten werden, dass sie mit deinem natürlichen Lockenbild arbeiten statt dagegen, können Stufen deine Locken komplett verwandeln.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu lockigem Haar