Temperatur beim Haarefärben

A: Wärme wird bei einer Farbbehandlung eingesetzt, um die Einwirkzeit der Farbmischung zu verkürzen. Sie wirkt wie ein Beschleuniger: Wärme verstärkt die chemische Reaktion, öffnet die Schuppenschicht des Haares und lässt den Entwickler schneller arbeiten.
• Haargesundheit & Porosität: Der allgemeine Zustand deiner Haare ist hier der entscheidende Faktor. Kräftiges, unporöses oder widerspenstiges Grauhaar profitiert oft von kontrollierter Wärme, damit sich die Schuppenschicht sanft öffnet und die Farbpigmente tief eindringen können. Feines, brüchiges oder sehr poröses Haar nimmt Farbe hingegen extrem schnell auf. Zusätzliche Wärme kann solch empfindliches Haar austrocknen, die Haarstruktur nachhaltig schädigen oder zu überlagerten, ungewollt dunklen Farbergebnissen führen. In diesen Fällen arbeiten wir Friseure am liebsten bei normaler Raumtemperatur.
• Farbtyp und Entwicklerstärke: Einige klassische, permanente Kolorationen sind speziell für die Einwirkung unter Wärme entwickelt worden. Moderne Glossings, saure Tönungen sowie intensive Blondierungen sind hingegen absolut für die Verarbeitung bei Raumtemperatur gedacht. Zusätzliche Wärmezufuhr bei hohen Entwicklerprozenten oder Blondierpulvern kann zu fleckigen Ergebnissen, einem Hitzestau auf der Kopfhaut, Hautreizungen oder massivem Haarbruch führen.
• Aufhellung vs. Farbablagerung: Wärme beeinflusst sowohl das Aufhellen der Naturpigmente als auch das Einlagern künstlicher Farbnuancen. Wenn du zum Beispiel von einem Hellbraun auf ein warmes Erdbeerblond wechseln möchtest, muss die Farbmischung deine dunklen Naturpigmente abbauen und gleichzeitig neue Kupfer- und Goldpigmente anlagern. Wie viel Wärme dafür nötig ist, hängt exakt von deiner Ausgangsfarbe, deinem Wunschton und der verwendeten Rezeptur ab.
• Naturhaar vs. bereits gefärbtes Haar: Eine permanente Koloration kann zwar naturbelassenes Haar aufhellen, zieht aber künstliche Pigmente aus bereits gefärbtem Haar nicht einfach wieder heraus. Um gefärbtes Haar heller zu bekommen, nutzen wir Friseure spezielle Aufheller oder eine sanfte Decapage (Farbabzug). Bei diesem Verfahren muss eine eventuelle Wärmezufuhr extrem präzise überwacht werden, um Schäden an der Haarstruktur zu vermeiden.
• Gezielter Auftrag & Ansatzbehandlung: Beim Färben des nachgewachsenen Ansatzes verzichten wir in den Längen und Spitzen meist auf zusätzliche Wärme, um Strukturschäden oder ein ungewolltes Absacken der Farbe zu verhindern. Da der frische Ansatz anders reagiert als die bereits vorbehandelten Längen, stimmen wir die Rezepturen und Einwirkzeiten für beide Bereiche individuell aufeinander ab.
• Der Faktor Kopfwärme: Die Eigenwärme deiner Kopfhaut erzeugt auf den ersten Zentimetern des Haaransatzes ein natürliches Wärmefeld. Diese Wärme sorgt dafür, dass die Farbe direkt am Ansatz deutlich schneller wirkt als in den kühleren Längen und Spitzen. Wir Friseure kalkulieren diesen sogenannten „Hot-Root-Effekt“ genau ein, wenn wir die Entwicklerstärke, die Auftragetechnik und die Einwirkzeit wählen.

Zusätzliche Wärme sorgt zwar für mehr Tempo, doch das Ausnutzen der natürlichen Kopfwärme bei Raumtemperatur ist sehr oft der schonendste Weg für gesundes Haar und gleichmäßige, verlässliche Farbergebnisse.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Färben