Vererbung von Haarausfall

A: Nicht unbedingt. Der alte Mythos, dass androgenetische Alopezie ausschließlich vom Großvater mütterlicherseits vererbt wird, vereinfacht die Sache viel zu stark. Ein kahlköpfiger Opa mütterlicherseits kann zwar ein Teil des genetischen Puzzles sein, aber dein individuelles Risiko für erblich bedingten Haarausfall hängt von einer weit komplexeren Kombination genetischer Varianten ab, die du von beiden Seiten deiner Familie erbst.
Ein zentrales Gen, das in der Forschung bereits intensiv untersucht wurde, ist das Androgenrezeptor-Gen (AR-Gen), das auf dem X-Chromosom liegt. Bestimmte Variationen in und um dieses Gen werden mit einer erhöhten Empfindlichkeit für androgenetische Alopezie in Verbindung gebracht. Da du als Mann dein X-Chromosom stets von deiner Mutter bekommst, erklärt dies, warum sich die Forschung historisch so stark auf die mütterliche Linie konzentriert hat.
Das heißt aber noch lange nicht, dass die Veranlagung zum Haarausfall zwangsläufig vom Großvater mütterlicherseits stammt. Deine Mutter besitzt zwei X-Chromosomen: eines von ihrer Mutter und eines von ihrem Vater. Sie kann dir jedes dieser beiden X-Chromosomen weitergeben. Ein Großvater mütterlicherseits kann also durchaus für dein Risiko relevant sein. Er ist aber weder die einzige noch zwingend die hauptsächliche Quelle deiner genetischen Veranlagung.
Darüber hinaus beschränkt sich der genetische Beitrag zum erblichen Haarausfall keineswegs nur auf das X-Chromosom. Die Genforschung hat bedeutende Risikoregionen auf autosomalen Chromosomen identifiziert - wie etwa auf Chromosom 20 - und weitere Studien haben zahlreiche zusätzliche Genloci im gesamten Genom entdeckt.
Deshalb kann die Neigung zu anlagebedingtem Haarausfall über beide Seiten der Familie vererbt werden. Einen kahlköpfigen Opa mütterlicherseits zu haben, kann zwar mit einem erhöhten Risiko einhergehen, aber ein Großvater mütterlicherseits mit vollem Haar ist noch lange keine Garantie dafür, dass du verschont bleibst. Genauso können ein Vater mit lichter werdendem Haar oder Glatze sowie andere Verwandte mit erblich bedingtem Haarausfall entscheidende Hinweise auf deine familiäre Veranlagung liefern.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Erblicher Haarausfall ist zwar genetisch bedingt, wird aber keineswegs einfach nur vom Vater der Mutter an den Sohn weitergereicht. Es handelt sich um ein komplexes genetisches Zusammenspiel, das von mehreren Genen auf dem X-Chromosom sowie auf den autosomalen Chromosomen gesteuert wird. Zusammen bestimmen diese kombinierten genetischen Faktoren, wie empfindlich deine Haarfollikel auf männliche Hormone reagieren und wie stark sie im Laufe der Zeit mit einer Miniaturisierung und einer schrittweisen Ausdünnung des Haares reagieren.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haarausfall