Frizz verstehen

Frau mit frizzigem Haar
Bild: Photographer ME/Shutterstock
F: Warum entsteht Frizz im Haar? Und warum sind manche Menschen davon betroffen und andere nicht?
 
A: Frizz entsteht durch eine geschädigte oder aufgeraute Schuppenschicht (Cuticula) – die äußerste Schutzschicht deines Haares – in Kombination mit Feuchtigkeitsschwankungen im inneren Faserstamm (Cortex). Du kannst dir die Cuticula wie Dachziegel vorstellen: Liegen sie flach und eben an, entsteht eine geschmeidige, stark glänzende Haaroberfläche. Stehen diese Ziegel jedoch ab oder sind sie beschädigt, bildet sich eine unruhige Haarstruktur, die wir als Frizz wahrnehmen.
 
Diese äußere Schicht dient deinem Haar als primäre Schutzbarriere gegen Umwelteinflüsse und Austrocknung. Sie ist von einer natürlichen Schicht aus Schutzölen (Lipiden) überzogen, die gesundes Haar hydrofob (also wasserabweisend) macht. Ist dieser Schutzschild beschädigt oder aufgeraut, wird dein Haar wesentlich poröser. Es wirkt dann wie ein Schwamm und saugt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft gierig auf. Bei trockener Luft verliert es seine innere Feuchtigkeit jedoch genauso schnell wieder. Im Gegensatz dazu weist glattes Haar mit einer intakten Cuticula und gesunden Lipidschicht Umgebungsfeuchtigkeit ab und reflektiert das Licht gleichmäßig. Das verleiht ihm seinen seidigen Glanz.
 

Auslöser für Frizz

Der größte Auslöser für eine aufgeraute Schuppenschicht ist Luftfeuchtigkeit. An heißen, schwülen Tagen dringen Wassermoleküle aus der Luft durch die Cuticula tief in den Cortex ein. Diese Feuchtigkeit bricht vorübergehend die instabilen Wasserstoffbrückenbindungen, die die Keratinproteine deines Haares zusammenhalten, und zwingt sie dazu, sich unregelmäßig neu zu verknüpfen. Wenn der innere Faserstrang durch das eingelagerte Wasser aufquillt, drückt er die Schuppen der Cuticula noch weiter nach oben. Dadurch biegen sich die einzelnen Haarsträhnen voneinander weg und stehen als störender Frizz ab.
 
Das Wetter ist jedoch nur ein Teil der Ursache. Chemische Behandlungen wie Kolorationen, Dauerwellen, chemisches Glätten oder eine starke Blondierung entziehen dem Haar seine schützenden Oberflächenlipide und schädigen die Cuticula dauerhaft. Hitzestyling-Tools ohne geeigneten Hitzeschutz können die Restfeuchtigkeit im Inneren des Haares regelrecht zum Kochen bringen und die Haaroberfläche stark schädigen. Selbst mechanische Reibung - etwa durch frottierendes Trockenrubbeln mit dem Handtuch, grobes Bürsten oder das Schlafen auf Baumwollkissen - reibt die Schutzöle ab und raut den Haarschaft mit der Zeit auf.
 
Die übereinanderliegenden Schuppen einer Cuticula
Die übereinanderliegenden Schuppen einer Cuticula

Genetische Veranlagung

Dass manche Menschen von Natur aus mit glattem, leicht zu stylendem Haar gesegnet sind, während andere ständig gegen Frizz kämpfen, liegt an zwei genetischen Faktoren: der Haarform und der Haarporosität.
 
Erstens spielt die Haarform eine entscheidende Rolle. Von Natur aus glattes Haar besitzt einen runden Querschnitt. Durch die flach anliegende Schuppenschicht können die körpereigenen Lipide deiner Kopfhaut mühelos bis in die Spitzen gleiten und das gesamte Haar geschmeidig halten. Welliges, lockiges und krauses Haar wächst dagegen aus ovalen oder asymmetrischen Haarfollikeln. Dadurch entstehen ungleichmäßige Strähnen mit einer aufgerauten Schuppenschicht an jeder Biegung der Locke. Diese Form erschwert es den natürlichen Ölen, nach unten zu wandern. Das Haar bleibt trockener und reagiert wesentlich empfindlicher auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit.
 
Zweitens bestimmt die Genetik die Porosität deines Haares. Damit ist gemeint, wie eng oder offen die Schuppenschicht am Haarschaft anliegt:
 
• Niedrige Porosität: Die Schuppen liegen extrem flach und eng aneinander. Das sorgt für glattes, glänzendes Haar, das Luftfeuchtigkeit effektiv abweist und Frizz standhält. Haar mit niedriger Porosität nimmt Pflegeprodukte, Haarfarbe und Wasser jedoch nur schwer auf. Das bedeutet, dass es im Salon oder unter der Dusche länger dauert, bis es vollständig nass wird, und ebenso lange, bis es wieder trocknet.
 
• Hohe Porosität: Die Schuppenschicht ist von Natur aus geöffnet oder weist Lücken auf. Dadurch nimmt das Haar Umgebungsfeuchtigkeit extrem schnell auf, verliert seine innere Feuchtigkeit aber genauso schnell wieder. Hochporöses Haar reagiert ständig auf Luftfeuchtigkeit und neigt extrem zu Frizz. Es nimmt Haarfarben und Pflegemittel zwar sehr leicht auf, ist aber auch deutlich anfälliger für Haarschäden und Haarbruch.
 
• Mittlere / normale Porosität: Die Schuppenschicht befindet sich in einem gesunden Gleichgewicht. Sie ermöglicht eine kontrollierte Feuchtigkeitsaufnahme und -speicherung, ohne dass ständig Frizz entsteht.
 
Eine Haarsträhne in ein Glas Wasser zu legen (der sogenannte Schwimmtest), ist zwar eine beliebte Methode, aber selten exakt genug, um die Porosität verlässlich zu bestimmen. Produktrückstände oder die Oberflächenspannung des Wassers verfälschen das Ergebnis häufig.
 
Ein deutlich verlässlicherer Test: Sprühe trockenes, von Produktrückständen freies Haar mit einem feinen Wassernebel ein. Perlen die Tröpfchen auf den Strähnen ab, ist die Porosität niedrig. Zieht das Wasser fast augenblicklich ein, ist die Porosität hoch.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch:
 
Wechseljahre und krauses Haar
 
Die Wirkung von feuchten Klima auf ihr Haar