Dauerwellen-Probleme in den Wechseljahren

A: Um ehrlich zu sein, ist es extrem schwierig, eine Ferndiagnose zu stellen, ohne die Kundin direkt vor sich auf dem Stuhl zu haben. Aber ich kann dir so viele allgemeine Informationen wie möglich an die Hand geben.
Hormonelle Veränderungen und Wechseljahre
Die Wechseljahre (Perimenopause und Menopause) verändern grundlegend, wie sich das Haar bei chemischen Behandlungen verhält. Wenn der Östrogen- und Progesteronspiegel sinkt, beeinflussen die relativ höheren Androgenspiegel die Haarfollikel sowie die Talgdrüsen der Kopfhaut.Die Haarfollikel können schrumpfen und feinere, trockenere oder unregelmäßig geformte Haare produzieren. Da eine Dauerwelle auf die natürliche Elastizität des Haares angewiesen ist, um eine neue Form auszubilden, tun sich geschwächte Proteinbindungen schwer damit, diese Locken zu halten.
Eine verringerte Talgproduktion kann dazu führen, dass die äußere Schuppenschicht des Haares (die Cuticula) aufgeraut, brüchig und übermäßig porös wird. Dadurch nimmt das Haar die Wellflüssigkeit viel zu schnell auf, was zu einer Überbehandlung oder zu einem ungleichmäßigen Ergebnis führt.
Umgekehrt können hormonelle Schwankungen aber auch bewirken, dass sich die Schuppenschicht extrem eng anlegt. Das Haar wird dadurch widerspenstig, glatt und glasig (nicht porös) und nimmt die Dauerwellflüssigkeit kaum an. So wird das gleichmäßige Eindringen des Wellmittels verhindert.
Veränderungen beim Ergrauungsgrad
Wenn deine Kundin in letzter Zeit mehr graue Haare bekommen hat, liefern dir deine gewohnten Standard-Rezepturen möglicherweise nicht mehr dieselben Ergebnisse. Graues Haar besitzt oft eine dickere, sehr kompakte Schuppenschicht, die wie ein Schutzschild gegen das Eindringen der Chemie wirkt.Darüber hinaus wächst ergrautes Haar häufig trockener, drahtiger und mit einem flacheren Querschnitt nach. Es wehrt sich dadurch verstärkt dagegen, die runde Form eines Dauerwellwicklers anzunehmen. Es sei denn, du arbeitest mit einer alkalischen Welle, die speziell für schwer wellbares Haar entwickelt wurde.
Produkt- und Mineralien-Ablagerungen
Mineralien aus hartem Leitungswasser wie Kalzium, Magnesium, Eisen und Kupfer lagern sich am Haarschaft ab. Kalzium bildet eine Barriere, die das Wellmittel blockiert, während Eisen und Kupfer aggressiv mit der Dauerwellchemie reagieren können. Das kann zu spürbaren Hitzereaktionen und ungleichmäßigen Umformungsergebnissen führen.Schwere Silikone, Wachse aus Stylingprodukten, Glossings oder natürliche Öle erzeugen ebenfalls einen wasserabweisenden Film auf dem Haar. Wenn die Wellflüssigkeit diese Schicht nicht gleichmäßig durchdringen kann, werden die Disulfidbrücken im Cortex des Haares nur teilweise aufgebrochen. Das Ergebnis ist eine schwache, schlappe Welle oder gar keine Locke.
Haarschädigung durch Überbehandlung
Zwei Dauerwellen innerhalb von nur zwei Monaten bergen ein hohes Risiko für eine strukturelle Haarermüdung. Eine Dauerwelle funktioniert, indem innere Disulfidbrücken mit einem Reduktionsmittel wie Ammoniumthioglykolat aufgebrochen und mit Wasserstoffperoxid in der neuen Form wieder dauerhaft verknüpft werden.Wenn Haar in so kurzer Zeit mehrfach umgeformt wird, verliert der Cortex seine innere Festigkeit und Spannkraft. Ohne diese Elastizität kann das Haar nicht mehr in eine federnde Locke zurückspringen; egal, wie lange du das Wellmittel einwirken lässt. Bereits geschädigtes oder ermüdetes Haar erneut zu wellen, führt meist nur zu krausem, schlappem Haar statt zu einer schönen, haltbaren Sprungkraft.
Mögliche nächste Schritte
1. Ein Tiefenreinigungsshampoo oder ein Chelat-Treatment anwenden: Bevor du eine weitere chemische Behandlung wagst, führe eine Tiefenreinigung oder eine spezielle Chelat-Behandlung durch. Damit entfernst du zuverlässig eventuelle Mineral- oder Produkt-Ablagerungen, die den Haarschaft blockieren könnten.2. Probewickel und Elastizitätsprüfung durchführen: Mache an einer unauffälligen Stelle immer zuerst einen Probewickel und eine Elastizitätsprüfung, um sicherzustellen, dass die innere Haarstruktur eine weitere chemische Behandlung überhaupt noch aushält, ohne zu brechen.
3. Auf die passende Rezeptur wechseln: Wenn das Haar ergraut oder widerspenstiger geworden ist, ziehe den Wechsel zu einer alkalischen Dauerwelle für schwer wellbares Haar in Betracht. Ist das Haar durch die hormonelle Umstellung hingegen porös oder empfindlich geworden, ist möglicherweise eine saure Dauerwelle mit einem niedrigeren pH-Wert nötig, um die Haarstruktur zu schonen, während sich die Locke bildet.
4. Luftfixierung ausprobieren: Die Luftfixierung (Air Neutralizing) ist eine praktische Technik, die viele Stylisten beim Umformen nutzen. Sobald das Wellmittel gründlich aus dem Haar ausgewaschen und die überschüssige Feuchtigkeit aus den Wicklern gründlich abgetupft ist, lässt man das Haar für 20 bis 30 Minuten auf den Wicklern an der Luft antrocknen (oder nutzt die Kaltstufe der Trockenhaube für 10 bis 15 Minuten), bevor man die Fixierung aufträgt.
Sicherheitshinweis zur Luftfixierung: Lass das Haar niemals vollständig auf den Wicklern austrocknen! Dauerwellwickler spannen sich nach, wenn die Feuchtigkeit verdunstet. Wenn das Haar im gewickelten Zustand komplett trocknet, entsteht eine enorme mechanische Spannung, die zu Haarbruch oder chemischen Reizungen auf der Kopfhaut führen kann. Das Haar muss stets eine Restfeuchtigkeit behalten. Mache am besten zuerst einen Probewickel und arbeite dann wie gewohnt weiter. Ich habe mit der Luftfixierung hervorragende Ergebnisse bei Kundinnen mit widerspenstigem, reiferem Haar erzielt. Aber ein vorheriges Testen ist immer der Schlüssel zu sicherem Arbeiten und gesundem Haar.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Dauerwellen