Haarwirbel und Händigkeit

DNA einer Person
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F: Meine Mutter hat mir gesagt, dass mein Baby Rechtshänder wird, weil sein Haarwirbel im Uhrzeigersinn verläuft. Stimmt das? Dreht sich der Haarwirbel bei Linkshändern immer gegen den Uhrzeigersinn und bei Rechtshändern im Uhrzeigersinn?
 
A: Nein, das ist ein Mythos. Einzelne Studien zeigen zwar eine schwache statistische Korrelation zwischen der Drehrichtung des Haarwirbels und der Händigkeit. Dieser Zusammenhang ist jedoch weder stark noch verlässlich genug, um vorhersagen zu können, ob ein Kind Rechts- oder Linkshänder wird.
 
Die überwiegende Mehrheit aller Menschen (etwa 80 % bis 90 %) weist am Hinterkopf einen Haarwirbel im Uhrzeigersinn auf; völlig unabhängig davon, welche Hand bevorzugt genutzt wird. Aus diesem Grund besitzen schlicht rein statistisch gesehen auch die meisten rechtshändigen Babys einen Wirbel im Uhrzeigersinn.
 
Dieser Irrglaube gewann im Jahr 2003 an Popularität, als ein Genetiker des US National Cancer Institute eine Studie veröffentlichte. Diese legte nahe, dass ein einzelnes dominantes Gen sowohl die Rechtshändigkeit als auch einen Wirbel im Uhrzeigersinn festlege, während eine rezessive Genvariante beide Merkmale dem reinen Zufall überlasse. Nach diesem Modell ging man davon aus, dass ein Wirbel gegen den Uhrzeigersinn bei etwa der Hälfte aller Linkshänder auftritt.
 
Wirbel im Uhrzeigersinn und gegen den Uhrzeigersinn
 
Folgestudien haben diese Einzelgen-Theorie jedoch eindeutig widerlegt:
 
• Händigkeit wird polygen vererbt: Umfassende genomweite Assoziationsstudien belegen, dass die Händigkeit ein komplexes, multifaktorielles Merkmal ist. Sie wird von hunderten subtilen Genvarianten beeinflusst und nicht von einem einzelnen genetischen Hauptschalter.
 
• Die empirischen Daten widersprechen dem Modell: Populationsstudien zeigen, dass ein Wirbel gegen den Uhrzeigersinn lediglich bei etwa 10 % bis 20 % der Linkshänder und bei rund 8 % bis 15 % der Rechtshänder vorkommt. Dieser Unterschied ist viel zu gering, um als verlässlicher Indikator zu dienen.
 
• Zwillingsstudien widerlegen eine strikte genetische Kopplung: Eineiige Zwillinge besitzen zwar identische DNA (100 % Übereinstimmung), weisen jedoch häufig unterschiedliche Wirbelrichtungen sowie eine entgegengesetzte Händigkeit auf.
 
Die Drehrichtung eines Haarwirbels entsteht durch mechanische Hautspannung während des kranialen Wachstums, wohingegen die Händigkeit durch die funktionelle Entwicklung und Lateralisierung der Gehirnhälften gesteuert wird. Linkshänder haben somit keineswegs immer einen Wirbel gegen den Uhrzeigersinn, und ein Wirbel im Uhrzeigersinn garantiert keinesfalls Rechtshändigkeit. Der Haarwirbel deines Babys verrät dir also nicht, welche Hand es künftig bevorzugen wird.
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Wachstum